Hypnotherapie

„Durch Therapie und Hypnose können Sie
erkennen, dass Sie nicht das Problem sind,
sondern ein Mensch, der die Fähigkeit besitzt, Probleme die er hat,
zu lösen und sein Verhalten zu ändern“

Milton Erickson

Therapeutische Hypnose – Hypnotherapie – was ist das eigentlich?

Der Begriff „Hypnose“ kommt vom griechischen „Hypnos“ und bedeutet soviel wie Schlaf. Hypnosetherapie ist die älteste Heilmethode der Menschheit, die sich mentaler Techniken bedient, um leib-seelische Prozesse zu beeinflussen. Schon die Höhlenzeichnungen des urzeitlichen Menschen weisen auf hypnotische Gruppenrituale hin. Im schamanistischen Heilweisen der Naturvölker findet man ähnliche Vorgehensweisen. Schriftliche Aufzeichnungen über hypnotische Heilrituale sind bereits aus den ersten Hochkulturen (Mesopotamien, Ägypten) überliefert. In Heilprozessen der Antike waren hypnotische Techniken in Form des „Tempelschlafes“ verbreitet. Mit seiner Hilfe wurden heilende Zustände erzeugt und therapeutisch wirksame Suggestionen eingesetzt. Nach dem Niedergang dieser Kulturen überdauerten hypnotische Behandlungsformen in den Zeremonien der Mönche in Klöstern. Mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften kam es zu einer Neuinterpretation der Hypnose. Zuerst wurde sie als Auswirkung eines „animalischen Magnetismus“ (Mesmer) gesehen. Im 19. Jahrhundert setzten sich schließlich psychologische Konzepte durch. Die geistig-psychischen Funktionen des Menschen stellten sich als Basis und entscheidende Wirkfaktoren der Hypnose heraus. Hypnose leistete damit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Psychologie als einer modernen Wissenschaft. Gleichzeitig lieferte sie wichtige Grundlagen und Bausteine für viele der heute gängigen Psychotherapiemethoden.

Als eine eigenständige Therapieform wurde die Hypnosetherapie im 19. und 20. Jahrhundert abwechselnd sehr populär und dann wieder zurück gedrängt. Um 1950 setzte verstärkt Hypnoseforschung nach modernen Standards ein, und es kam zur Neufundierung derHypnose als ein wissenschaftlich begründetes, hochwirksames Therapieverfahren. Diese moderne Hypnotherapie ist eng verbunden mit den Arbeiten des amerikanischen Psychologen und Facharztes für Psychiatrie, Milton H. Erickson. Die maßgeblich von ihm beeinflusste „Klinische Hypnose“ bzw. die „Ericksonsche Hypnotherapie“ gilt international als der State of the Art.

Hypnotherapie: ist eine erwiesenermaßen effektive Methode (Grawe, Donati & Bernauer, 1994; Revenstorf & Prudlo, 1994). Die Fortbildungsseminare der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose (M.E.G.) werden von den Landesärzte- und Psychotherapeutenkammern anerkannt. Hypnose ist alleine noch keine Therapieform. Jedoch im Rahmen einer Hypnotherapie oder in Kombination mit einer Psychotherapiemethode hat sie nachweislich positive Wirkungen. Die Therapieforscher Kirsch, Montgomery & Sapirstein (1995, 1996) berichten von doppelt wirksamen und kürzeren Psychotherapien und besserer Effektstärke.

Weitere Informationen beim in Deutschland und Europa führenden Fachverband für Hypnosetherapie, der Milton Erickson Gesellschaft M.E.G..

Kostenerstattung:

Hypnosetherapie wird vorwiegend in der Einzelpraxis durchgeführt. Krankenhausträger bemühen sich zunehmend, sie in ihr Versorgungskonzept einzubeziehen. In Deutschland gibt es fünf Kliniken, die Hypnosetherapie als ihr zentrales Verfahren oder als Behandlungselement anbieten (z.B. bei der Rehabilitation von Herz- und Kreislauferkrankungen oder der Therapie von Abhängigkeiten). Die in Deutschland unbefriedigend geregelte Situation psychologischer Psychotherapeuten lässt eine generelle Aussage über die Abrechnung bzw. Erstattung der Kosten nicht zu. Diese Frage ist im Einzelfall mit dem betreffenden Therapeuten und der Versicherung zu klären. In den Gebührenordnungen sowie im Leistungskatalog fast aller Krankenkassen und Versicherungen wird Hypnose seit Jahren als abrechenbare Leistung geführt.

Anwendungsfelder:

Klinische Hypnose bzw. Hypnotherapie wird vor allem im Rahmen der Psychotherapie und bei psychosomatischen Leiden, zur Schmerzkontrolle und bei Abhängigkeiten (z.B. zur Raucherentwöhnung) verwendet. Medizinische Hypnose findet zunehmend in der Allgemein- und Facharztpraxis Anwendung, z.B. bei Gynäkologen zur Geburtsvorbereitung. ZahnärztlicheHypnose wird eingesetzt bei Anästhetika-Unverträglichkeit, zur Schmerzkontrolle, zur Verringerung der Blutung und zum Abbau spezifischer Ängste.

Erfolgsaussichten:

Die Wirksamkeit der Hypnotherapie ist wissenschaftlich belegt. Zum Beispiel wird in der bekannten Übersichtsstudie von Prof. Grawe (Univ. Bern) aufgrund einer Meta-Analyse von 19 besonders qualifizierten Effektivitätsuntersuchungen (insg. 1068 Patienten) der Hypnose eine gute Wirksamkeit bestätigt (Grawe et al., 1994). Prof. Revenstorf (Univ. Tübingen) kommt in seiner Übersicht über 77 wissenschaftliche Studien (insg. 5825 Patienten) zu einem noch günstigeren Ergebnis (Revenstorf & Prudlo, 1994).

©Dipl. Psych. Wilhelm Gerl, München / HP Geha Helmut Haas, Freiburg

Literatur:

Bongartz, B. & W. Hypnose: Wie sie wirkt und wem sie hilft. RoRoRo-Sachbuch
Gerl, W. (1998). Moderne Hypnose: Hilfe durch das Unbewusste. Stuttgart: TRIAS
Scholz, W.-U. (1994). Hypnose & Hypnotherapie. Mannheim: PAL
Revenstorf & B. Peter (Hrsg.) Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik.und Medizin. Heidelberg: Springer (2000).

 

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